Bernd Gieseking liest aus „Finne dich selbst“ beim Kulturfrühstück in Hedem

Bernd Gieseking las selten bei seiner Lesung „Finne dich selbst“, aber er erzählte dafür um so mehr.

Zu unserem Kulturfrühstück auf Hollwinkel kam Bernd Gieseking in bester Laune. Bevor es überhaupt losging und Bernd Gieseking auf seine finnischen-deutschen Erlebnisse zu sprechen kam, machte er erst mal eine Liebeserklärung an das alte Rittergut. Und das kam so:

Als ich Bernd Gieseking den Weg erklärte, lotste ich ihn direkt zum Hintereingang des alten Pferdestalls. Das heißt bis dato hatte Bernd Gieseking den ganzen Charme des kleinen Rittergutes noch gar nicht erkannt. Umso erstaunter war er, als er einen Blick nach vorne raus warf. Ein unvorstellbar idyllischer Ort habe sich ihm auf der anderen Seite des Wirtschaftsgebäudes offenbart, erzählte er bei seinem Auftritt. „Also wenn die Familie von der Horst mal einen Haus- und Hofschreiber braucht, ich stehe zur Verfügung“, erklärte er.

Von hier nach Kutenhausen sei es ja nicht so weit, fügte er an. Deshalb sei es bestimmt kein Problem, wenn er mal „’n bäten Platt kür’n würd.“ Spätestens da hatte er das gesamte Hedemer Publikum fest im Griff. Sowieso würden die Ostwestfalen ja nicht viel reden, fuhr er fort. Aus einem einzigen „Jau! Mott!“ könne der Ostwestfale alles herauslesen, was er bräuchte, um sein Gegenüber zu verstehen. In dieser Hinsicht seien die Ostwestfalen den Finnen sehr ähnlich. Ein ausgiebiges miteinander Schweigen sei das ‚A’ und ‚O’ einer gepflegten Konversation, erklärte Gieseking.

Dabei ist Bernd Gieseking das genaue Gegenteil des typischen Ostwestfalen. Wenn er erst einmal im Redefluss ist, hört er so schnell nicht wieder auf. Wie Ostwestfalen Finnland erleben, davon hätte Bernd Gieseking stundenlang erzählen können.

In seinem Buch „Finne dich selbst. Mit den Eltern auf dem Rücksitz ins Land der Rentiere“ beschreibt er, was passieren kann, wenn drei ostwestfälische Urgesteine auf finnische Traditionen wie Sauna, Trolle und Mökki (das finnische Sommerhaus) treffen. Die warmherzige und spritzige Erzählweise des Kabarretisten führte dazu, dass sich die Gäste fast wie bei Giesekings zu Hause fühlten.

Neben den Familienerlebnissen der Giesekings im Land der Elche und Rentiere gab der Finnlandliebhaber einige Insidertipps zum Besten.  Gerüchte, wie dass die Finnen ein Saufvolk seien, konnte Gieseking entkräften. In Deutschland würde pro Kopf mehr Alkohol getrunken als in Finnland. Aber dafür seien die Finnen mit vier bis fünf Tassen am Tag Könige im Kaffeetrinken.

Nur das mit der Saune, dass würde stimmen: Die wichtigsten Dinge würden in Finnland in der Saune geklärt. Hier herrsche die sogenannte Sauna-Diplomatie. Es dürfe auch Bier getrunken und gegessen werden, nur eines, das sei in der Sauna strikt verboten: Streiten! Das sei die einzige Saunaregel, die es in Finnland gebe. Auch die wichtige Frage, warum die Finnen in der Sauna Mützen tragen, konnte Gieseking klären. Am Ende gab Bernd Gieseking für das begeisterte Publikum eine kleine Zugabe. Mit ein paar warmherzigen finnischen Sprichwörtern verabschiedete sich der Künstler vom hiesigen Publikum und entließ alle gutgelaunt in den ostwestfälischen Sonntag Nachmittag.